Wie man ein Fahrrad auf schwedisch repariert

September 2013, Schweden, Medacker, auf Täby gård … erster Urlaubstag

Wir hatten uns ja dazu entschlossen nur mit Rad, zu Fuß oder per Bus zu reisen. Slowtrotting, eben. Also fragten wir den Herrn des Hauses Staffan Brundin, 1,90 groß, blonder Bart, Berufsschullehrer, eine Zierde seines Vokes, ob wir wohl ein Fahrrad von ihm für unseren ersten Trip in das 10 km entfernte Arboga leihen könnten. Gefragt, getan. Aus dem Stall zerrte er zwei Trekking-Bikes, die er und seine Frau Cicci (spricht sich „Sissi“ aus) so im allgemeinen benutzten.

Gut … für Manu war das kein Problem, sie schwang sich auf das Herrenrad (da dort der Sitz schon ganz nach unten geschraubt war) und Staffan meinte, dass SEIN Rad gut zu ihr passen würde (jaja, Wikinger und holde Maiden aus dem Süden ;-)). Ich bekam dafür das Rad von seiner Frau, da wir in etwa gleich hoch gebaut sind. Dieses Damenrad, nun ich formuliere es mal so: Dieses Damenrad wies mich bei Benützung ohne Zweifel als direkten Nachfahren der famosen Familie Coppini aus, die im Jahre 1809 mit Pantomime und Ballette auf dem Hochseil große Berühmtheit erlangte.

Staffan sah ein, dass es aus männlicher Sicht unzumutbar war mich derartigen Wehen auszusetzen und ergriff kurzerhand die Initiative. Zuerst wurde der Sitz mit Imben (man beachte den Plural) bearbeitet. Die Metallchemie machte ihm dabei einen Strich durch die Rechnung. Also ging er dem widerspenstigen Sitz mit einer Rohrzange ans Leder. Mit durchaus beachtlicher Anstrengung löste er den Sattel vom Metall. Auf meinen Hinweis, dass die Fahrt nun mit Sichheit ruhiger verlaufen würde, er mir aber das schwedische Wort für „Proktologe“ aufschreiben solle, da ich kaum in der Lage sein würde es in der Notaufnahme aussprechen zu können, brummte er etwas in seinen Bart und verschwand im Stall.

Es ist beachtlich, was man mit einem Holzbrett, einem Hammer und einer Rohrzange aus einem Alu-Sitzholm eines Fahrrades alles machen kann. Schweißgebadet stand da dieser Wikinger und zerlegte das Fahrrad fachmännisch, wie einen frisch erlegten Elch. Schließlich gab der Sitz seine Widerborstigkeit auf, versank vor Scham im Rahmen und wir erkannten, dass der nunmehr ovale Alu-Holm in keiner Weise zur runden Metallbefestigung des Sattel passen konnte … Staffan, in einer Hand die Rohrzange, in der anderen den Hammer meinte ernst:“Das ist das Problem mit mir … ich habe einfach zu viel Kraft.“  … tja, und da man einem Mann, der diesen Grad der Selbsterkenntnis erreicht hat nicht wiedersprechen sollte, dachte ich mir:“Was soll’s, du wolltest doch was erleben … also fahre hin und erlebe etwas.“

Rad

  Lache wer da lachen mag; Die Stund‘ durchläuft den rauhsten Tag

Nun, dies wäre kein Inspirations-Blog, wenn wir Dir nicht unsere Eindrücke zeigen würden … also aufgepasst … Detaillösungen en masse …

So, mit diesen Bildern wünschen wir Dir eine inspirierte Zeit. Das nächste Mal gibt es ein paar Worte zur Philosophie, warum wir so bauen werden, wie wir es tun und unsere persönliche Zielsetzung: Das Haus so schnell wie möglich abbezahlen!

Bis bald und stay springy,

Manu und Flo

Quellen:

Fotos: privat

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